Das Chemotyp-System
Wie der 6-stellige Code gelesen wird und zusammen mit Sorte, Herkunft und Chargenanalyse das erwartbare Wirkprofil einordnet.
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Zu Kava-mode.comKurz & Knapp
Der Chemotyp ist ein 6-stelliger Code, der die sechs Haupt-Kavalactone in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration auflistet. Er enthält keine exakten Prozentwerte, gibt aber eine nützliche Orientierung dafür, welche Kavalactone das Profil besonders prägen können.
Das von Vincent Lebot etablierte System ist ein wichtiges Werkzeug für Klassifizierung und Qualitätskontrolle. Für die Einordnung als Noble oder Tudei und für eine belastbare Wirkungserwartung werden zusätzlich Sortenidentität, Pflanzenteile, Herkunft, Verarbeitung, Chargenanalyse und Erfahrung berücksichtigt.
Die Nummerierung der Kavalactone
Jedes der sechs Haupt-Kavalactone ist einer Ziffer zugeordnet. Diese Zuordnung ist historisch bedingt und basiert auf der Reihenfolge ihrer Entdeckung bzw. chromatographischen Elution:
| Ziffer | Kavalacton | Kürzel | Hauptwirkung |
|---|---|---|---|
| 1 | Desmethoxyyangonin | DMY | Fokus, Motivation, soziale Offenheit |
| 2 | Dihydrokavain | DHK | Muskelentspannung, Analgesie |
| 3 | Yangonin | Y | Stimmungsaufhellung, leichte Euphorie; CB1-Affinität in vitro |
| 4 | Kavain | K | Anxiolytisch, "Heady"-Effekt |
| 5 | Dihydromethysticin | DHM | Tiefe, körperbetonte und oft länger anhaltende Ruhe |
| 6 | Methysticin | M | Sedierend, neuroprotektiv |
Einen Chemotyp lesen
Der Chemotyp wird als 6-stellige Zahl geschrieben, wobei jede Position die relative Konzentration angibt:
Beispiele & Interpretation
Kavainbetontes Beispielprofil
Kavain steht an erster, Dihydrokavain an zweiter Stelle; danach folgen Methysticin und Dihydromethysticin. In der Praxis passt diese Rangfolge häufig zu klarer, fokussierter Entspannung mit spürbarer körperlicher Ruhe.
DHK-betontes Beispielprofil
Dihydrokavain > Kavain > Methysticin > Dihydromethysticin > Yangonin > Desmethoxyyangonin
DHM-betontes Beispielprofil
DHM (5) an erster Stelle weist auf ein deutlich schwereres, körperbetontes und potenziell länger anhaltendes Profil hin. Solche Profile werden häufiger mit Müdigkeit, Übelkeit oder einem Nachgefühl am Folgetag beschrieben.
DHK-/DHM-betontes Beispielprofil
DHK (2) und DHM (5) an der Spitze sprechen für eine stark körperbezogene und eher schwere Wirkung. Ob die Probe Noble oder Tudei ist, muss über Sortenidentität und Qualitätsdaten geklärt werden.
Noble Kava vs. Tudei Kava
Die Unterscheidung zwischen Noble Kava (Edelkava) und Tudei Kava (Two-Day Kava) ist für die Kava-Qualität wichtig. Tudei-Profile werden traditionell als schwerer und länger anhaltend beschrieben; die sichere Einordnung erfordert jedoch Sortenidentität und Qualitätsdaten, nicht nur eine Ziffernfolge.
| Kriterium | Noble Kava | Tudei Kava |
|---|---|---|
| Chemotyp-Start | Häufig 4- oder 2-betont; Chemotyp allein ist kein Beweis | Häufig höherer DHM-Anteil; Sorten- und Qualitätsprüfung erforderlich |
| Wirkungseintritt | In Erfahrungsberichten häufig schneller wahrgenommen | In Erfahrungsberichten teils verzögert wahrgenommen |
| Wirkdauer | Häufig moderat und gut abklingend beschrieben | Häufig deutlich länger und nachwirkend beschrieben |
| Wirkcharakter | Klar, entspannt, sozial | Dumpf, sedierend, benommen |
| Nebenwirkungen | Bei geeigneter Qualität und Zubereitung meist gut verträglich | Häufiger mit Übelkeit, Kopfschmerzen oder Nachgefühl verbunden |
| Exportzulassung | Ja (reguliert) | Nein (in Vanuatu verboten) |
| Beispiel-Sorten | Borogu, Melo Melo, Kelai, Bir Kar | Isa, Palimanu, Wildkava |
Hinweise auf Tudei-ähnliche Profile
Der Chemotyp kann Hinweise liefern, ersetzt aber keine Sorten- und Chargenprüfung:
Hinweise für eine genauere Prüfung
- 5 an Position 1 oder 2
- 5 vor 4 im Chemotyp
- Sehr hoher DHM-Gesamtanteil (>15%)
Häufige Merkmale geschätzter Noble-Profile
- Dokumentierte Noble-Sortenidentität
- Geeignete unterirdische Pflanzenteile und nachvollziehbare Herkunft
- Chargenanalyse beziehungsweise COA mit plausiblen Qualitätswerten
Wirkungsprofile nach Chemotyp
In Praxis und Erfahrungsberichten werden Kava-Profile häufig als Heady, Heavy oder Balanced beschrieben. Der Chemotyp unterstützt diese Einordnung, legt sie aber nicht allein fest:
Heady Kavas
Nicht allein aus einer Anfangsziffer ableitbarAls Heady werden Profile beschrieben, die vor allem klare, mentale Entspannung, Fokus, Gesprächigkeit und eine angenehme Stimmungsaufhellung vermitteln. Ein hoher relativer Kavain-Anteil passt häufig zu diesem Eindruck.
Ideal für:
- • Soziale Anlässe und Gespräche
- • Kreative Arbeit
- • Tagsüber oder frühen Abend
- • Einsteiger (mildere Wirkung)
Praxis: Die konkrete Sorte und Charge sollte sensorisch und analytisch beschrieben werden.
Heavy Kavas
Nicht allein aus einer Anfangsziffer ableitbarAls Heavy werden Profile mit ausgeprägter körperlicher Ruhe, deutlicher Muskelentspannung und stärkerer Abend- oder Schlafnähe beschrieben. DHK, Methysticin und DHM können zu diesem Gesamteindruck beitragen.
Ideal für:
- • Abendliche Entspannung
- • Stressabbau und Muskelentspannung
- • Schlafvorbereitung
- • Erfahrene Kava-Trinker
Praxis: Die konkrete Sorte und Charge sollte sensorisch und analytisch beschrieben werden.
Balanced Kavas
Nicht allein aus einem einzelnen Code ableitbarBalanced Profile verbinden mentale Klarheit und freundliche Stimmung mit spürbarer körperlicher Entspannung. Sie werden deshalb häufig als vielseitig und alltagstauglich erlebt.
Ideal für:
- • Tägliche Anwendung
- • Meditation und Achtsamkeit
- • Vielseitige Nutzung (Tag oder Abend)
- • Alle Erfahrungsstufen
Praxis: Die konkrete Sorte und Charge sollte sensorisch und analytisch beschrieben werden.
Chemotyp & Qualitätskontrolle
Der Chemotyp ist ein wichtiges Instrument für die Qualitätskontrolle im internationalen Kava-Handel. Aussagekräftig wird er zusammen mit Sortenidentität, Pflanzenteilen, Herkunft, Verarbeitung und chargenbezogenen Laborwerten.
Das Kava-Gesetz von Vanuatu legt fest, dass nur Noble Kava-Sorten für den Export zugelassen sind. Tudei-Sorten und deren Mischungen sind vom Export ausgeschlossen. Die Einhaltung wird durch Chemotyp-Analysen überprüft.
Dies ist einer der Gründe, warum Kava aus Vanuatu als besonders hochwertig gilt – es gibt staatliche Qualitätskontrollen, die Tudei-Kontamination verhindern sollen.
Tipp für Verbraucher: Seriöse Kava-Händler geben den Chemotyp ihrer Produkte an oder können ihn auf Anfrage mitteilen. Wenn ein Händler keine Chemotyp-Informationen bereitstellen kann, ist Vorsicht geboten.
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CIRAD, French Agricultural Research Centre for International Development
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Wissenschaftliche Quellen
Die Informationen auf dieser Seite basieren auf folgenden wissenschaftlichen Studien und Publikationen:
Measuring the Chemical and Cytotoxic Variability of Commercially Available Kava (Piper methysticum G. Forster)
Unknown (Unknown) – Unknown
Studie ansehenKava: The Pacific Elixir - The Definitive Guide to Its Ethnobotany, History, and Chemistry
Vincent Lebot, Mark Merlin, Lamont Lindstrom (1997) – Yale University Press
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